
Der Prediger 3,11 ist besonders tiefgründig: „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, sodass der Mensch nicht erlangen kann, was vor Ewigkeit ist.“ Menschen lassen sich nicht nur durch Gehalt, Erfolg, Beziehungen oder Hobbys erklären. In uns brennt eine Sehnsucht nach Ewigkeit. Gerade in hektischen Tagen ist es wichtig, die Bibel zu lesen, den Prediger langsam aufzuschlagen und eine Zeile, die Kopf und Herz anspricht, festzuhalten. Mehr noch als Geschwindigkeit ist es bedeutend, im Moment zu prüfen, worauf unsere Erwartungen ruhen.
Der Prediger verleugnet den Tod nicht. Sowohl Weisen als auch Narren begegnen ihm schließlich. Das sollte uns nicht in Verzweiflung stürzen, sondern die Selbstüberschätzung senken. Es hilft, wieder zu erkennen, was wir dringend festhalten sollten. Es macht klar, ob wir uns heute aufregen, Schritt zurücktreten und dankbar sein oder noch mehr erarbeiten sollten. So macht der Prediger das Leben nicht klein, sondern klar.
Am Ende der Bücher fasst der Prediger klar zusammen: „Das End des Sinnes ist, alle zu hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist alles Menschsein“ (Prediger 12,13). Der Abschluss ist keine Nihilistik, sondern Ehrfurcht. Wenn unser Herz ins Schwanken gerät, liegt das meistens daran, dass die Last des Lebens zu schwer ist oder weil der Mittelpunkt verschwommen ist. In solchen Momenten hilft es, das heutige Wort zu lesen und gemeinsam mit einem Vers aus dem Prediger den Tag zu beginnen. Eine kleine Folge des Gehorsams kann sogar einen hektischen Tag zum Positiven wenden.
Der Prediger gibt nicht sofort alle Antworten. Vielmehr hilft er, falsche Antworten loszulassen. Er zeigt, dass Erfolg, Genuss oder sogar Weisheit keinen Platz an Gottes Stelle ersetzen können. An diesem Platz beginnt echtes Frieden. Andacht denkt nach und stellt Fragen. Der Prediger ist kein Buch, das nur liest, sondern das Wiederfinden des rechten Zentrums für das Leben.
Wenn du heute das Prediger aufschlägst, merke dir das letzte Fazit: „Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist alles Menschsein“ (Prediger 12,13). Was in deinem Herzen einen Platz über Gott hinaus eingenommen hat, ist das, worauf du vielleicht verzichten solltest. Diesen Fragen auszuweichen ist der Beginn, das Prediger richtig zu lesen.