Warum bereitete sich das Volk in 2. Mose 19 am Berg vor?
Wir betrachten die Bedeutung der Vorbereitungen am Fuß des Sinai und folgen dabei dem Ablauf von 2. Mose 19: Gott erinnert zunächst an den Auszug aus Ägypten und gebietet dem Volk anschließend, sich zu heiligen und die gesetzten Grenzen zu achten.

In 2. Mose 19 bereitete sich das Volk Israel am Fuß des Berges darauf vor, dass der HERR vor den Augen des ganzen Volkes auf den Sinai herabkommen würde. Gott befahl den Israeliten, ihre Kleider zu waschen, sich zu heiligen und die festgelegten Grenzen nicht zu überschreiten. Der Abschnitt in 2. Mose 19,1–25 beginnt mit der Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Darauf folgen die Antwort und die Vorbereitungen des Volkes, Gottes Herabkunft und wiederholte Warnungen.
Gott erinnerte zuerst an das, was er getan hatte
Im dritten Monat nach dem Auszug aus Ägypten kamen die Israeliten in die Wüste Sinai. Sie schlugen ihr Lager vor dem Berg auf, und Mose stieg zu Gott hinauf. Gott trug ihm auf, dem Volk zu verkünden, was es bereits selbst gesehen hatte.
Gott erinnerte daran, was er den Ägyptern getan und wie er Israel auf Adlerflügeln getragen und zu sich gebracht hatte. Dass das Volk nun vor dem Sinai stand, war also nicht allein darauf zurückzuführen, dass es selbst den richtigen Weg gefunden hatte. Es war Teil des Weges, auf dem Gott es aus Ägypten herausgeführt und zu sich gebracht hatte.
Anschließend sagte Gott: Wenn das Volk auf seine Stimme hört und seinen Bund hält, wird es unter allen Völkern sein besonderes Eigentum sein – ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk. Zwar gehört die ganze Welt Gott, doch Israel wurde dazu aufgerufen, auf Gottes Wort zu hören und seinen Bund zu halten. Als Mose diese Worte den Ältesten mitteilte, antwortete das Volk einmütig, es wolle alles tun, was der HERR geboten hatte.
Das Volk wartete auf den Tag der Herabkunft, wie Gott es angeordnet hatte
Gott kündigte an, am dritten Tag vor den Augen des ganzen Volkes auf den Sinai herabzukommen. Deshalb sollte sich das Volk heute und morgen heiligen und seine Kleider waschen. Mose stieg vom Berg herab, heiligte das Volk, und die Menschen wuschen tatsächlich ihre Kleider. Aus dem Gebot, sich vorzubereiten, wurde konkretes Handeln.
Auch das Warten unterlag klaren Grenzen. Gott ließ rings um den Berg eine Grenze ziehen und verbot dem Volk, den Berg zu besteigen oder diese Grenze zu überschreiten. Wenn das Widderhorn lange ertönte, durfte das Volk bis zum Fuß des Berges kommen. Zugleich wurde jedoch gewarnt, dass jeder Mensch und jedes Tier sterben musste, wenn er oder es die Grenze überschritt. Das Volk durfte also nicht eigenmächtig auf den Berg steigen, nur weil Gott dort herabkommen würde. Es musste sich an die von ihm bestimmte Zeit und den zugewiesenen Ort halten.
Am Morgen des dritten Tages gab es Donner und Blitze, und eine dichte Wolke bedeckte den Berg. Als der Schall des Horns immer lauter ertönte, zitterte das ganze Volk im Lager. Mose führte die Menschen aus dem Lager hinaus, Gott entgegen, und sie stellten sich am Fuß des Berges auf. Der HERR kam im Feuer herab. Rauch erfüllte den Berg, und der ganze Berg bebte heftig.
Gott ließ die Grenze noch zweimal ausdrücklich bestätigen
Nachdem Gott auf den Gipfel des Berges herabgekommen war, rief er Mose zu sich. Kaum war Mose hinaufgestiegen, befahl Gott ihm jedoch, wieder hinabzugehen und das Volk zu warnen. Die Menschen könnten sonst die Grenze durchbrechen, um den HERRN zu sehen, und viele von ihnen würden dabei umkommen. Auch die Priester, die sich Gott näherten, mussten sich heiligen.
Mose erwiderte, das Volk könne nicht auf den Berg steigen, weil bereits eine Grenze um ihn gezogen worden sei. Trotzdem befahl Gott ihm erneut, hinabzugehen. Aaron durfte zusammen mit Mose hinaufkommen, doch die Priester und das Volk durften die Grenze nicht durchbrechen und den Berg nicht besteigen. Mose ging wieder zum Volk hinab und übermittelte ihm diese Worte.
Der Text macht deutlich, warum das Gebot, die Kleider zu waschen und auf den dritten Tag zu warten, ebenso wiederholt wurde wie die Warnung, die Grenze des Berges nicht zu überschreiten. Gott kam tatsächlich vor den Augen des ganzen Volkes herab. Hätten die Menschen versucht, die gesetzte Grenze zu durchbrechen, um ihn zu sehen, hätten sie sterben können. Die Vorbereitungen am Sinai waren daher weder Ausdruck einer unbestimmten Anspannung noch eine bloße Äußerlichkeit. Sie waren konkreter Gehorsam: auf den von Gott bestimmten Tag zu warten und an dem von ihm angewiesenen Ort auf seine Stimme zu hören.
Eine konkrete Aufgabe für heute ist, das gesamte Kapitel 2. Mose 19 zu lesen und getrennt aufzuschreiben, was Gott getan und was er dem Volk geboten hat. Wenn wir unterscheiden zwischen Gottes Handeln – wie er Israel aus Ägypten herausführte und bis zum Sinai brachte – und seinen Anweisungen an das Volk – die Kleider zu waschen, zu warten und die Grenze einzuhalten –, lässt sich der Gedankengang dieses Kapitels klar erkennen.
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