Daher sind die Zehn Gebote kein schweres Regelwerk gegen das Gericht, sondern eine Ordnung des Lebens für das bereits Gerettete. Nach der Erklärung „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten, dem Land der Sklaverei, geführt hat“ (2. Mose 20,2), folgen die Gebote. Gott rettet zuerst, dann leitet er den Weg des Gehorsams. Das gilt auch heute für Christen: Gehorsam ist kein Mittel, um geliebt zu werden, sondern eine Frucht des Gerettetseins.
Auch die Szenen in der Wüste sind sehr realistisch. Das Volk kann leicht Murren, Angst haben und durch den Mangel erschüttert werden. Dennoch gibt Gott Manna, lässt Wasser aus dem Felsen fließen und zeigt Geduld mit seinem Volk. Deshalb ist das Exodus-Buch kein Buch, das nur unsere Fehler verurteilt, sondern zeigt, wie treu Gott ist, indem er sein schwaches Volk bis zum Ende führt. Das tägliche Lesen der Bibel und das Verfolgen des Handlungsverlaufs hilft, den Gesamtzusammenhang besser zu erfassen. Beim Weiterlesen unter Bibel lesen und beim Nutzen des Fortschrittsrechners wird das noch leichter.
Der letzte Teil des Buches, die Anordnung der Stiftshütte, mag beim ersten Lesen am fremdesten erscheinen. Doch genau darin liegt die Schlussfolgerung des Exodus. Gott ist nicht nur ein Retter, der sein Volk nur befindet und dann weit entfernt bleibt. Er will bei ihnen wohnen. In 2. Mose 25,8 steht: „Und sie sollen mir eine Stätte bauen, da ich bei ihnen wohne.“ Und in Kapitel 40 lesen wir: „Es lag die Wolke über der Stiftshütte, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Stiftshütte“ (2. Mose 40,34). Das Ende des Exodus ist nicht nur Befreiung, sondern die Gegenwart Gottes. Das wahre Ziel des Volkes ist nicht nur Freiheit, sondern das Leben in Gemeinschaft mit Gott.
Das ist auch heute sehr wichtig für uns. Wir neigen dazu, Probleme als das Ganze unserer Rettung zu sehen. Wenn wir der Schwierigkeiten entkommen, meinen wir, alles sei erledigt. Doch das Exodus fragt uns: „Was folgt dann?“ Der Zweck, warum Gott uns retten will, ist nicht eine Freiheit ohne Anbetung, sondern das Kennen, Dienen und Leben für Gott. Das tägliche Wort des Tages mit einem Vers beginnt, hilft, die „Leben nach der Rettung“ in Alltag umzusetzen, wie es das Exodus vorzeigt.
Darüber hinaus wird das Exodus noch deutlicher, wenn man es im Licht des Neuen Testaments versteht. Gott hat sein Volk durch das Blut des Lammes gerettet, sie mit starker Hand aus der Sklaverei befreit, den Bund gegeben und bei ihnen gewohnt. Dies steht in engem Zusammenhang mit der großen Rettungsgeschichte, nämlich der Befreiung von Sünde und Tod in Christus sowie dem Leben als Gottes Volk im Heiligen Geist. Natürlich soll beim Lesen des Exodus immer auch die historische Bedeutung im Blick behalten werden; doch es ist ebenso wichtig, die Rettungsgeschichte Gottes im Gesamtkontext der Schrift zu sehen.
Beim Lesen des Exodus ist das Wesentliche zu merken: Gott hört das Leid seines Volkes, Gott rettet mit seiner starken Hand, und Gott freut sich, inmitten seines geretteten Volkes zu wohnen. Der Exodus ist keine bloße Erzählung von Wundern der Vergangenheit. Er fordert uns auch heute auf, mehr auf Vertrauen als auf Angst, mehr auf Gehorsam als auf Beschweren, mehr auf wahre Anbetung als auf äußerliche Formen zu setzen.
Fragen zur Meditation
- Ich sehe Gott nur als denjenigen, der meine Probleme löst, oder erkenne ich ihn auch als den Herrn, der mit mir wohnt?
- Welche Ängste oder Ungehorsamnisse halte ich noch wie „ägyptische Gewohnheiten“ fest?
- Indem ich an die bereits empfangene Rettung Gottes erinnere, was ist eine konkrete Gehorsamsreaktion, die ich heute zeigen kann?