Josua Kapitel 6: Glaube an Gehorsam vor den hohen Stadtmauern Jericho
Vor den hohen Stadtmauern: Wer wirkt zuerst?
Beim Lesen der Bibel fällt auf, dass manche Passagen durch den Kontext und den Ort, an dem sie passieren, noch klarer werden. Jericho ist genau so ein Beispiel. Es ist nicht nur eine alte Stadt, sondern das erste große Erlebnis Israels vor dem Land der Verheißung. Gott lässt diese Realität nicht einfach hinter sich, sondern zeigt gerade an diesem Ort, was Sein Weg ist. Deshalb sollte Jericho mehr sein als nur eine Geschichte vom Krieg — es ist ein Text, der zeigt, wie Gottes Versprechen und menschlicher Gehorsam zusammenkommen.
Jericho lag in einer fruchtbaren Oase im Tiefland westlich des Jordan, nördlich des Toten Meeres. Dieser Ort war wegen seiner Wasserquellen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten äußerst wertvoll. Zudem war es ein wichtiger Knotenpunkt für Handel und Reisen. Die Tatsache, dass Israel nach dem Durchqueren der Wüste und Überqueren des Jordan die erste Stadt Jericho begegnete, ist bedeutsam. Nicht weil alles automatisch offensteht, nur weil sie das Land betreten haben; selbst an der Schwelle der Verheißung standen hohe und starke Mauern.
In diesem Punkt stellt Josua Kapitel 6 die Wahrheit des Glaubens in Frage: In Vers 2 spricht Gott zu Josua: „Siehe, ich habe Jericho samt König und Krieger in deine Hand gegeben.“ Die Stadt ist noch nicht gefallen, und die Mauern stehen fest. Doch Gott erklärt bereits, dass der Sieg sicher ist — als ob der Kampf schon gewonnen wäre. Scripture lehrt, dass Glaube nicht nur vages Optimismus ist, der die aktuelle Realität ignoriert. Es ist die Haltung, Gottes Wort zu glauben, das zwar noch unsichtbar ist, aber als sicherer gilt als alles Sichtbare.
Gottes Anweisung war angesichts der damaligen Logik schwer zu verstehen: Die Israeliten sollten um die Stadt ziehen, die Priester die Trompeten blasen lassen, alle schweigen, bis das Zeichen kommt, und dann laut schreien. Diese Strategie war deutlich anders als militärische Normen. Es ging nicht um Effizienz, sondern darum, die falsche Annahme zu entkräften, dass der Sieg menschliche Stärke oder Geschicklichkeit benötigte. Vers 20 berichtet: „Da schrie das Volk, und die Priester bliesen die Trompeten, und als das Volk die Trompeten hörte und den Schall erhört hatte, schrie es laut auf, und die Mauern Jerichos stürzten ein.“ Der Fokus liegt nicht auf Israels Stärke, sondern auf Gottes Treue.
Ein Schritt weiter gedacht: Jericho ist nicht nur eine gebrochene Stadtmauer, sondern hat den Charakter eines ersten Fruchtbarkeitsopfers und eines ersten Zeugnisses für Gottes Heiligkeit. Dass im Rahmen der Eroberung die ersten Beute-Gegenstände von Gott selbst geregelt wurden, macht deutlich, dass dieses Land kein Erfolg menschlicher Macht ist, sondern ein Geschenk Gottes im Rahmen Seines Bundes. Jericho war ein Ort der Ehrfurcht vor Gott, weniger der Freude über den Sieg. Bereits am Anfang des Landes zeigt Gott dem Volk, wer der wahre Eigentümer ist.
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