Die Bedeutung des Abendmahls: Der Tisch, an dem wir uns an das Evangelium erinnern
Das Abendmahl ist nicht nur eine Zeremonie, sondern der Tisch, an dem wir an den neuen Bund erinnert werden, der durch den Leib und das Blut Christi errichtet wurde, und ihn verkündigen. Anhand von 1. Korinther 11 betrachten wir in Ruhe die Bedeutung des Abendmahls und seine Bedeutung für unser heutiges Leben.

Die Bedeutung des Abendmahls: Der Tisch, an dem wir uns an das Evangelium erinnern
Das Abendmahl ist eine vertraute Zeremonie, bei der das Herz gerade deshalb leicht stumpf wird. Wenn ein Stück Brot und ein Schluck aus dem Kelch schnell vorübergehen, nehmen wir diesen Augenblick leicht nur als eine fromme Stimmung wahr. Doch das Abendmahl ist keine Dekoration des Gottesdienstes. Es ist die Zeit, in der die Kirche das Evangelium vor Augen erneut bestätigt und bekennt, dass das Kreuz Jesu Christi auch heute die Grundlage unseres Lebens ist.
Das Zentrum des Abendmahls, wie die Bibel es bezeugt, ist eindeutig. In der Nacht, in der Jesus verraten wurde, brach er das Brot und gab es seinen Jüngern mit den Worten: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.“ Über den Kelch sagte er: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis“ (1. Korinther 11,24–25). Entscheidend sind nicht Brot und Kelch an sich. Im Zentrum stehen der Leib des Herrn, der für uns gebrochen wurde, und sein Blut, das für unsere Sünden vergossen wurde.
Dass Jesus diese Worte an einem Tisch gab, hat einen deutlichen Hintergrund: das Passah. In 2. Mose 12 wird berichtet, dass das Gericht an den Häusern vorüberging, deren Türpfosten und Sturz mit dem Blut des Lammes bestrichen waren. Israel hielt das Passah und erinnerte sich an jene Nacht. Und Jesus offenbarte gerade am Fest, dass er das wahre Lamm ist. Was Gottes Volk nun rettet, ist nicht das Blut eines Tieres, sondern das ein für alle Mal dargebrachte Opfer Christi.
Wenn wir diese Bedeutung verlieren, wird das Abendmahl schnell zu einer religiösen Gewohnheit. Halten wir sie aber fest, werden Brot und Kelch zu einem sehr deutlichen Zeichen des Evangeliums. In der kleinen Handlung, die wir mit den Augen sehen und mit den Händen empfangen, wird neu spürbar, welch großen und heiligen Preis Gott für den Sünder bezahlt hat. Auch an einem Tag, an dem der Glaube verschwommen ist, sagt das Abendmahl dieselbe Wahrheit: Der Weg zu Gott beruht nicht auf meiner Stimmung oder meinem Verdienst, sondern auf dem Blut Christi.
- Korinther 11 ist ein Abschnitt, den wir zum Verständnis des Abendmahls unbedingt festhalten sollten. Paulus tadelt die Unordnung in der Gemeinde von Korinth und ermahnt sie, das Abendmahl des Herrn nicht leichtfertig zu behandeln. In der Gemeinde lebten Reiche und Arme zusammen; einige aßen und tranken zuerst und wurden satt, während andere ausgeschlossen blieben. Sie empfingen dasselbe Brot und verachteten einander doch. Paulus tadelte nicht bloß einen Mangel an guten Manieren, sondern eine Haltung, die dem Evangelium widersprach.
Das Abendmahl spricht nicht nur von einer persönlichen Erfahrung der Gnade. Es zeigt auch, dass Menschen, die zu einem Herrn gehören, ein Leib sind. Wenn ich bekenne, durch das Blut des Herrn vergeben zu sein, und zugleich meinen Bruder verachte, entferne ich mich von der Bedeutung, die Brot und Kelch verkünden. Das Abendmahl beleuchtet still, ob es in der Gemeinde jemanden gibt, dessen Namen ich zwar kenne, zu dem ich aber innerlich eine Mauer errichtet habe, oder ob ich nur meinen bequemen Platz sichere und jemanden wie einen unsichtbaren Menschen behandle. Vor diesem Tisch wird die Wahrheit einer Beziehung deutlicher als fromme Worte.
Darum sagt Paulus: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch“ (1. Korinther 11,28). Sich selbst zu prüfen bedeutet nicht, erst nach vollkommener Veränderung zu kommen. Es ist auch keine Forderung, dass nur fehlerlose Menschen teilnehmen. Es ist vielmehr die Aufforderung, die Sünde anzuerkennen, die eigene Unfähigkeit ohne Gnade zu erkennen, Buße zu tun und zum Herrn zu kommen. Eine Haltung, die nicht auf Selbstsicherheit, sondern auf die Barmherzigkeit des Herrn vertraut, passt zum Abendmahl.
Die Kirche hat das Abendmahl seit langer Zeit sehr ernst genommen. Die frühe Kirche verstand Taufe und Abendmahl als heilige Zeichen, die der Herr selbst anvertraut hatte. Im Lauf der Zeit wurde vielfach darüber gesprochen, wie die Bedeutung von Brot und Kelch zu erklären sei; der Mittelpunkt, an dem die orthodoxe Kirche festhielt, blieb aber fest. Das Abendmahl ist kein Opfer, das die ein für alle Mal vollbrachte Sühne Christi wiederholt, sondern ein Tisch, an dem das vollendete Kreuz erinnert und verkündigt wird.
Dieses Bekenntnis berührt sich mit dem Evangelium des Hebräerbriefs. Jesus gab sich selbst ein für alle Mal hin und trug die Sünde; dieses Opfer muss nicht wiederholt werden. Das Abendmahl ist deshalb keine Handlung, durch die Jesus erneut geopfert wird. Es ist der Ort, an dem wir die bereits vollbrachte Erlösung im Glauben empfangen. Die Kirche schafft mit Brot und Kelch kein neues Heil. Sie hält nur dankbar an der bereits gegebenen Gnade fest.
Im Abendmahl liegt nicht nur Erinnerung, sondern auch Hoffnung. Paulus sagt: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1. Korinther 11,26). Das Abendmahl lässt uns zurückblicken und an das Kreuz denken; zugleich lässt es uns nach vorn schauen. Es lässt uns auf den wiederkommenden Herrn, das vollendete Reich Gottes und das Fest warten, an dem Tränen und Sünde ein Ende haben.
Diese Hoffnung gibt dem Alltag mehr Kraft, als wir denken. In manchen Wochen fühlt sich die Last des Lebens größer an als der Glaube. Es gibt Tage, an denen unerledigte Arbeit, ungelöste Beziehungen und wiederkehrende Schuldgefühle das Herz bis zum Boden drücken. Dann legt das Abendmahl nicht mit einem Mal eine große Lösung vor. Es lässt uns vielmehr neu an unserem Platz erkennen, aus wessen Gnade wir leben. Auch heute bin ich kein Mensch, der sich durch Leistung beweist, sondern einer, der durch den Leib und das Blut des Herrn lebt.
Manchmal macht man am Arbeitsplatz einen Fehler und muss auf dem Heimweg ständig an die Szene denken. Manchmal ist eine Beziehung wegen eines einzigen Satzes angespannt, doch aus Stolz finden wir nicht den ersten Schritt zur Versöhnung. Wenn wir an solchen Tagen an das Abendmahl denken, ändert sich die Richtung unseres Herzens ein wenig. Wenn Gott mich ohne Verdienst angenommen hat, kann ich mich nicht länger verstecken, sondern meine Schuld bekennen. Wenn der Herr mich versöhnt hat, habe auch ich einen Grund, zuerst die Hand auszustrecken.
Das Abendmahl ist nicht unbedingt eine Zeremonie, die unsere Gefühle stark aufwühlt. An einem Tag kommen Tränen, an einem anderen bleibt alles sehr ruhig. Entscheidend ist nicht die Stärke des Gefühls, sondern die Richtung des Glaubens. Auf wen verlasse ich mich? Wodurch werde ich gerechtfertigt? Was macht die Kirche zur Kirche? Das Abendmahl führt diese Fragen wieder vor das Evangelium.
Wenn wir im Sonntagsgottesdienst Brot und Kelch empfangen, ist es gut, auch nur kurz vor diesen Fragen zu stehen. Vertraue ich meiner Verfassung mehr als der Gnade des Herrn? Spreche ich mit meinen Lippen von Vergebung, dränge aber in meinem Herzen jemanden weg? War die Kraft, die meine Woche getragen hat, Leistung und Anerkennung oder die Gnade des Kreuzes? Das Abendmahl ist kein Ort, an dem wir unter Druck verurteilt werden, sondern ein Ort, an dem wir wieder zum Kreuz gerufen werden.
Gerade weil die Zeremonie vertraut ist, sollten wir sie nicht leichtfertig an uns vorübergehen lassen. Brot und Kelch sind klein und still, aber in ihnen liegt der Kern des Evangeliums. Der Herr gab seinen Leib für uns hin, errichtete mit seinem Blut den neuen Bund und rief die Kirche in diese Gnade. Je richtiger wir über das Abendmahl nachdenken, desto mehr werden wir demütig und desto deutlicher sehen wir das Kreuz. Wer sich auch mitten in einer geschäftigen Woche an diesen Tisch erinnert, lernt neu, aus der Gnade zu leben.
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