Das Durchlesen und das Nachsinnen ergänzen sich – Sie wirken zusammen für eine gesunde Bibellese
Beim Start ins Alten Testament entsteht oft die falsche Annahme, man müsse sich zwischen schnellem Lesen und tiefem Nachsinnen entscheiden und daher nur eines wählen. Aber das ist ein Missverständnis. Das Durchlesen ist das Erfassen des Textflusses und seiner Zusammenhänge, das Nachsinnen ist das Verweilen bei einzelnen Passagen und deren Anwendung im Leben. Wenn du den Wald nicht siehst, erkennst du die Bäume kaum. Wenn du nur den Wald siehst, wirkt alles andere wie eine leere Karte. Wenn wir Das Nachsinnen verstehen, wird der Unterschied noch klarer.
Zum Beispiel: Beim Lesen des Levitikus ist es okay, nicht sofort alle Opferregeln zu erklären. Stattdessen kannst du dir merken, dass Gott Sünde ernst nimmt und der Heilige Gott nur von reinen Menschen betreten werden kann. Beim Lesen der Richter kannst du den Kreislauf von Versagen und Erbarmen sehen, der auf die wahre Hoffnung auf den rechtmäßigen König, Christus, hinweist. Das Alte Testament leitet uns immer wieder zu Christus.
Psalm 119:105 sagt: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und Licht auf meinem Weg.“ Das Durchlesen wirft dieses Licht auf den Weg, das Nachsinnen leuchtet einzelne Schritte aus. Die gesündeste Haltung ist, beide Aktivitäten im Austausch zu halten.
Wenig historische Grundkenntnisse reichen, damit die Texte lebendig werden
Ein Grund, warum das Alte Testament oft schwer erscheint, ist die große zeitliche Spanne. Aber mit nur einer simplen Kenntnis der wichtigsten Epochen wird das Lesen leichter: Stammväterzeit, Auszug und Wüste, Eroberung Kanaans, Richterzeit, vereinigtes Königreich, Teilung des Königreichs, Exil, Rückkehr. Behalte diese sechs großen Phasen im Kopf, während du liest.
Gerade bei den Propheten ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, in welchem historischen Kontext sie sprechen. Für Jesaja und Jeremia etwa, ist die politische Instabilität und die spirituelle Verfaulung ihrer Zeit eine wichtige Perspektive. Das Volk dachte äußerlich an das Heiligtum in Sicherheit, während Gott eigentlich Herzenseinstellung und Gehorsam forderte. Diese Warnung ist auch heute noch relevant: Man kann äußerlich gläubig sein, aber innerlich abgestumpft.
Das Verständnis des historischen Settings erleichtert das Textverstehen erheblich. Für die vertiefte Orientierung empfiehlt sich Was ist die McCheyne-Lese-Methode? oder der Komplett-Guide dafür.
Eine einfache Routine für das Durchlesen des Alten Testaments ist am besten
Gute Pläne sind nicht spektakulär, sondern nachhaltig. Besonders am Anfang sollte man keine zu großen Mengen vorsehen. 15 bis 20 Minuten pro Tag reichen völlig aus. Eilig alles auf einmal zu schaffen, führt eher zum Abbruch. Besteht der Wunsch nach einer konkreten Leseliste, kann man z. B. 365-Tage-Plan oder Heutiges McCheyne-Programm nutzen.
Hier eine empfohlene Reihenfolge:
- Den letzten Abschnitt, den du gelesen hast, in einem Satz zusammenfassen.
- Das heutige Bibeltextstück in der vorgegebenen Länge lesen.
- Wiederkehrende Wörter oder zentrale Ereignisse markieren.
- Sich fragen: „Was zeigt mir dieser Abschnitt über Gottes Wesen?“
- Abschließend in einem Satz notieren – eine kurze Zusammenfassung genügt.
Beispielsweise: Nach dem Lesen von Exodus könntest du aufschreiben: „Gott hört den Ruf seines Volkes und hält seine Versprechen.“ Nach 1 Samuel: „Der Mensch sieht auf das Äußere, der Herr aber auf das Herz.“ Mit solchen kurzen Zusammenfassungen wird es einfacher, am nächsten Tag wieder in den Text einzusteigen. Nutze bei Bedarf Was-ist-Hervorhebung, um Textstellen zu markieren.
Auch wenn man mal pausiert – das ist kein Versagen
Viele brechen ihr Bibellesen eher deswegen ab, weil sie denken, sie hätten eine Aufgabe verpasst, anstatt, weil sie tatsächlich keinen Erfolg haben. Ein paar Tage Pause bedeuten nicht, dass das Ziel gleich verloren ist. Wenn man später wieder anfängt, ist das in Ordnung. Das Wichtigste ist, einfach wieder einzusteigen – denn das Wort Gottes ist kein Leistungsdialog, sondern ein Mittel der Gnade, um vor Gott zu stehen.
Kurz gesagt: Wenn du z. B. nach einer Woche das Lesen unterbrichst und dann wieder anfängst, ist das keine Niederlage. Die beste Strategie ist, flexibel zu bleiben, auch bei Rückschlägen. Es ist besser, regelmäßig einen kleinen Schritt zu machen, als den Geist aufzugeben.
Beispiel: Ein Arbeiter, der morgens früh beginnt, hatte nach einer Woche die Lust an der 40-Minuten-Planung verloren. Er änderte den Plan auf 15 Minuten vor dem Frühstück und schrieb jeden Tag eine Zeile. So konnte er zwei Monate ununterbrochen dranbleiben. Der Schlüssel ist nicht der große Anspruch, sondern die passende Balance für den Alltag. Mit simplen Werkzeugen wie Fortschrittsrechner lässt sich die Kontinuität gut kontrollieren.
Die richtige Einstellung beim Alten-Testament-Lesen
Das Alte Testament ist manchmal schwer verständlich. Aber ein Fehler ist, bei Unklarheiten sofort den Schluss zu ziehen, man müsse das lesen lassen. Stattdessen gilt: Einfach weiterlesen, den Zusammenhang im Blick behalten und später nochmal genau nachschlagen. Josua 1:8 sagt: „Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, sondern du sollst darin nachsinnenTag und Nacht, damit du zu tun hast alles, was darin ist; dann wirst du sowohl bei deinem Weg Erfolg haben, als auch bei deinem Unterwegs sein.“ Lernen, was Lesen und Nachsinnen bedeuten, und Gehorsam üben, sind untrennbar verbunden. Römer 15:4 sagt: „Denn alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ Das Alte Testament ist also kein Relikt vergangener Zeiten, sondern das lebendige Wort Gottes, das heute lehrt und tröstet.
Wenn wir das Alte Testament lesen, sehen wir immer wieder, dass die menschlichen Fehler sich wiederholen, aber Gottes Bund unerschütterlich bleibt. Das ist eine große Ermutigung. Unsere Entschlüsse können ins Wanken geraten, Gottes Wort aber nie. Deshalb ist das Durchlesen des Alten Testaments weniger ein Weg, viel zu wissen, sondern vor allem eine Schulung, den treuen Gott selbst langfristig zu betrachten. Wenn du heute nur eine Seite liest und darin erkennst, wer Gott ist, dann ist das bereits ein gelungener Anfang. Solche täglichen Begegnungen öffnen schließlich den Blick für die Gesamtkontext Gottes Wort und formen uns langsam, damit wir in unserem Alltag in Gehorsam wachsen.}