Der Bund mit Abraham: Gewissheit des Glaubens in der Wartezeit
Anhand von 1. Mose 15 und 17 betrachtet dieser Beitrag die Gewissheit des abrahamitischen Bundes. Auch in Angst und Wartezeit bestätigt Gott seine Verheißung immer wieder und zeigt, dass Glaube bedeutet, dem Gott zu vertrauen, der gesprochen hat, statt der sichtbaren Wirklichkeit.

Die Gewissheit des Bundes in 1. Mose 15 und 17: Glaube, der sich im Warten festhält
Der Bund mit Abraham ist ein wichtiger Leitfaden, um die ganze Bibel zu verstehen. Wenn wir darüber nachdenken, sollten wir nicht nur eine Szene herausgreifen, sondern auch betrachten, wie Gott seine Verheißung immer wieder bestätigt und deutlicher sichtbar macht. Besonders 1. Mose 15 und 17 zeigen den Glauben Abrahams, Gottes Treue und die Bedeutung des Zeichens des Bundes. Wer diese beiden Kapitel langsam liest, erkennt klar: Glaube ist kein vager Optimismus und keine Selbstsicherheit, sondern Vertrauen auf den Gott, der gesprochen hat.
Die Atmosphäre von 1. Mose 15 ist still und zugleich schwer. Abram ist dem Ruf Gottes bereits gefolgt, aber er hält noch nicht viel in den Händen. Er hat die Verheißung erhalten, doch kein Kind, und die Zukunft lässt sich kaum zeichnen. Da spricht Gott zu dem ängstlichen Abram: „Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn“ (1. Mose 15,1). Auch ein Mensch des Glaubens kennt Angst. Die Bibel verbirgt diese Tatsache nicht. Gott erscheint vielmehr als der, der nicht nur Menschen ohne Angst gebraucht, sondern den Menschen in ihrer Angst durch sein Wort aufsucht.
Abram fragt Gott offen. Was willst du mir geben, da ich doch kinderlos bin? Diese Frage ist weniger eine bloße Beschwerde als eine Klage angesichts einer Wirklichkeit, die trotz der festgehaltenen Verheißung unverständlich bleibt. Gott weist Abram nicht einfach zurecht, sondern führt ihn hinaus und lässt ihn die Sterne des Himmels sehen. Dann sagt er: „So zahlreich sollen deine Nachkommen sein“ (1. Mose 15,5). Vor den Augen ist die Wirklichkeit leer, doch Gottes Wort spricht eine größere Zukunft aus. Hier zeigt sich der Glaube: Er hält das Wort Gottes für wahrer als die sichtbaren Umstände.
Darum steht 1. Mose 15,6 an einer so wichtigen Stelle der ganzen Bibel: „Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“ Kein Mensch kann durch eigene Verdienste oder Leistungen vor Gott bestehen. Gott erklärt den Sünder allein durch den Glauben für gerecht. Der Kern der Rechtfertigung aus Glauben erscheint bereits in dieser Szene. Abram wurde nicht gerecht gesprochen, weil er vollkommen war oder nie schwankte, sondern weil er dem Gott vertraute, der die Verheißung gegeben hatte. Das ist auch für uns ein großer Trost. Weil Gott, auf den der Glaube gerichtet ist, feststeht, gründet unser Heil nicht auf unserem Zustand, sondern auf Gottes Gnade.
In diesem Kapitel steht auch der damalige Brauch des Bundesschlusses im Alten Orient im Hintergrund. Tiere wurden geteilt, und man ging zwischen den Stücken hindurch, um das Gewicht des Versprechens zu bestätigen. In 1. Mose 15 gehen jedoch anstelle des in tiefen Schlaf gefallenen Abram ein rauchender Ofen und eine brennende Fackel zwischen den Teilen hindurch (1. Mose 15,17). Die Szene zeigt eindringlich, dass Gott selbst die endgültige Verantwortung für den Bund übernimmt. Die menschliche Schwäche ist offensichtlich, und doch zerbricht der Bund nicht, weil sein Fundament nicht die menschliche Zuverlässigkeit, sondern Gottes Treue ist. Die Bibel übertreibt nicht die Größe Abrahams, sondern zeigt die Größe Gottes, der seine Verheißung bis zum Ende hält.
In 1. Mose 17 wird der Bund noch konkreter bestätigt. Gott ändert Abrams Namen in Abraham und Sarais Namen in Sara. In der Bibel enthält eine Namensänderung nicht nur eine neue Anrede, sondern auch eine neue Identität und Aufgabe. Im Bund, den Gott führt, wird ein Mensch bei einem neuen Namen und an einen neuen Platz gerufen. Gott sagt: „Ich will meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, einen ewigen Bund“ (1. Mose 17,7). Diese Erklärung macht die Dauer und Gewissheit des Bundes deutlich.
In demselben Kapitel wird außerdem die Beschneidung als Zeichen des Bundes gegeben. Das Zeichen ist keine Handlung, mit der man den Preis der Rettung bezahlt, sondern eine Markierung, die daran erinnert, zu Gottes Volk zu gehören. Menschen vergessen leicht. Auch eine gestern festgehaltene Verheißung wird im heutigen Sog der Angst blass. Darum gibt Gott nicht nur sein Wort, sondern auch ein Zeichen, das uns erinnern lässt. Auch wir müssen das Wort wiederholt lesen, uns das Evangelium neu sagen lassen und die Gnade im Gottesdienst bestätigen. Das ist keine leere Wiederholung, sondern ein von Gott geschenkter Weg, ein vergessliches Herz auf der Wahrheit des Bundes festzuhalten. Eine beständige Bibellese oder die tägliche Erinnerung durch die Bibelstelle des Tages kann ein Beispiel für diese Anwendung sein.
Wichtig ist dabei, dass Abrahams Leben nicht glatt und vollkommen war. In der Wartezeit schwankte er und traf manchmal vorschnelle Entscheidungen. Sein Versagen konnte Gottes Bund jedoch nicht aufheben. Das bedeutet nicht, dass Sünde nebensächlich wäre. Es bedeutet vielmehr, dass Gottes Gnade größer ist als menschliche Schwäche und dass Gott sein Volk bis zum Ende hält. Auch wir möchten im Glaubensleben oft schnell eine Antwort erhalten und sofort ein Ergebnis sehen. Gott formt uns jedoch häufig gerade im Warten. Wenn eine Verheißung verzögert scheint, steht Gottes Plan nicht still. In dieser Zeit lernen wir nicht nur die Verheißung selbst, sondern den Geber der Verheißung tiefer kennen.
Stell dir jemanden vor, dessen Herz unter einem Problem zerbricht, für das er lange gebetet hat. Die berufliche Richtung ist unklar, eine Beziehung wird nur langsam wiederhergestellt oder die Sorge um die Familie löst sich nicht leicht. Dann beurteilen wir Gott leicht nach den sichtbaren Ergebnissen. 1. Mose 15 und 17 lehren uns jedoch einen anderen Blick: Auch wenn sich die Wirklichkeit noch nicht verändert hat, bleibt Gottes Wort unverändert. Glaube ist keine Gewissheit, die erst entsteht, wenn alles geordnet ist, sondern Vertrauen auf Gottes Wesen, obwohl noch nicht alles sichtbar ist.
Das Neue Testament deutet diesen Bund in Jesus Christus noch heller. Galater 3 erklärt, dass der Segen, den Abraham empfing, in Christus zu den Völkern gelangt. Der Bund mit Abraham bleibt nicht bei der Geschichte des Wohlstands eines Volkes stehen, sondern öffnet den weiten Horizont des Evangeliums. Von Anfang an hatte Gott vor, den Völkern den Weg zum Heil zu eröffnen. Den Bund mit Abraham zu lesen bedeutet daher nicht nur, die Geschichte eines alten Vaters zu lesen, sondern die Wurzel der in Christus erfüllten Heilsverheißung zu sehen. Wer dem großen Zusammenhang der Bibel weiter folgen möchte, kann auch Warum es wichtig ist, die ganze Bibel zu lesen betrachten.
Beim Nachdenken über diesen Text können wir uns fragen: Was muss ich sehen, um beruhigt zu sein? Vertraue ich meiner Berechnung mehr als der Verheißung Gottes? Erkenne ich meine Schwäche an, dass ich das gehörte Wort leicht vergesse, und halte ich es deshalb wiederholt fest? Glaube wächst nicht nur durch eine große Steigerung von Gefühlen. Er wächst, wenn wir an gewöhnlichen Tagen das Wort wieder lesen, in einem wankenden Augenblick an die Verheißung denken und die Richtung des Gehorsams nicht aufgeben, obwohl wir nicht alles verstehen. Deshalb ist es auch wichtig, richtig zu verstehen, was Meditation bedeutet, und sie im Leben anzuwenden.
- Mose 15 und 17 sagen uns deutlich: Gott vergisst nicht, was er versprochen hat. Unsere Schritte können langsam sein und unser Herz kann oft schwanken, aber das Fundament des Bundes liegt nicht beim Menschen. Der Gläubige rühmt sich nicht der Größe seines Glaubens, sondern schaut auf Gott, den Gegenstand des Glaubens. Dieser Blick richtet ihn im schwankenden Alltag wieder auf. Die Wartezeit ist keine verlorene Zeit. Auch in ihr verlässt Gott sein Volk nicht, sondern führt treu aus, was er gesagt hat. Darum kann der Gläubige heute auch dort, wo noch kein Ergebnis zu sehen ist, nicht nur verzagen, sondern Gottes Wort festhalten und Schritt für Schritt den Weg des Gehorsams gehen.
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