Warum die Kundschafter über Kanaan zu zwei gegensätzlichen Urteilen kamen
In 4. Mose 13 erkundeten zwölf Kundschafter dasselbe Land Kanaan, kamen aber zu unterschiedlichen Schlüssen. Der Beitrag zeigt anhand des Textverlaufs, an welchem Punkt ihre Berichte auseinandergehen und was das bedeutet.
Der Bericht über die Erkundung Kanaans spaltete sich nicht deshalb in zwei Richtungen, weil die Kundschafter unterschiedliche Länder gesehen hätten. Sie alle sahen denselben Reichtum und dieselben Gefahren. Dennoch forderte Kaleb dazu auf, unverzüglich hinaufzuziehen und das Land einzunehmen, während die anderen zu dem Schluss kamen, dass dies unmöglich sei. 4. Mose 13 zeigt, wie aus denselben Beobachtungen durch unterschiedliche Beurteilungen völlig verschiedene Berichte entstehen können.
Der Auftrag zur Erkundung war von Anfang an konkret
Der HERR ließ aus jedem Stamm einen führenden Mann aussenden, um das Land Kanaan zu erkunden. Zuvor hatte er ausdrücklich erklärt, dass er dieses Land den Israeliten geben werde.
Mose nannte den Kundschaftern genau, worauf sie achten sollten. Sie sollten feststellen, ob die Bewohner stark oder schwach und zahlreich oder gering an Zahl waren. Auch sollten sie prüfen, ob das Land gut oder schlecht und ob die Städte offene Lager oder befestigte Orte waren. Sie sollten darauf achten, ob der Boden fruchtbar oder karg war und ob es dort Bäume gab. Nachdem Mose ihnen Mut zugesprochen hatte, forderte er sie außerdem auf, Früchte des Landes mitzubringen.
Bei der Erkundung ging es also nicht darum, vage Eindrücke wiederzugeben. Die Kundschafter sollten Menschen, Städte, Boden und Pflanzen selbst in Augenschein nehmen und Früchte als sichtbaren Beleg mitbringen.
Die Kundschafter sahen sowohl den Reichtum als auch die Gefahren
Die Kundschafter durchzogen das Land von der Wüste Zin bis Rehob bei Lebo-Hamat. In Hebron sahen sie die Nachkommen Enaks. Im Tal Eschkol schnitten sie eine Rebe mit einer einzigen Weintraube ab, die zwei Männer an einer Stange tragen mussten. Außerdem brachten sie Granatäpfel und Feigen mit.
Nach vierzig Tagen kehrten sie zurück und berichteten Mose, Aaron und der ganzen Gemeinde. Zunächst erklärten sie, dass in diesem Land tatsächlich Milch und Honig flössen, und zeigten die mitgebrachten Früchte. Danach berichteten sie, dass die Bewohner stark und die Städte befestigt und sehr groß seien. Sie hatten die Nachkommen Enaks gesehen und stellten außerdem fest, dass verschiedene Völker im Südland, im Bergland, an der Küste und am Jordan lebten.
Sowohl die Früchte als auch die starken Bewohner gehörten zu dem, was sie während ihrer Erkundung tatsächlich festgestellt hatten. Sie berichteten weder ausschließlich vom Reichtum des Landes noch ausschließlich von seinen Gefahren. Erst nachdem diese Tatsachen genannt worden waren, gingen ihre Berichte auseinander.
Kaleb und die anderen Kundschafter kamen zu unterschiedlichen Schlüssen
Kaleb beruhigte das Volk vor Mose und forderte es auf, unverzüglich hinaufzuziehen und das Land einzunehmen. Er war überzeugt, dass sie es bezwingen könnten. Seine Zuversicht beruhte nicht darauf, dass er die starken Bewohner und die befestigten Städte übersehen hätte. Auch Kaleb hatte an derselben Erkundung teilgenommen und dasselbe Land durchzogen.
Die Männer, die mit ihm hinaufgezogen waren, erklärten dagegen, sie könnten nicht gegen dieses Volk antreten, weil es stärker sei als sie. Zunächst hatten auch sie von den Früchten, den Bewohnern und den Städten berichtet. Danach aber verbreiteten sie einen schlechten Bericht über das Land. Sie behaupteten, es verschlinge seine Bewohner, und alle Menschen, die sie dort gesehen hätten, seien von außergewöhnlicher Größe.
Schließlich sagten sie, sie seien sich selbst wie Heuschrecken vorgekommen. Bis zu diesem Punkt handelte es sich um ihre eigene Einschätzung. Doch sie fügten hinzu, dass sie auch den Bewohnern des Landes so erschienen sein müssten. Der Bericht über das Land und seine Menschen, die sie tatsächlich gesehen hatten, weitete sich damit zu einer Bewertung ihrer selbst und zu einer Vermutung darüber aus, was die anderen wohl über sie dachten.
Entscheidend ist, welche Schlussfolgerung auf die Tatsachen folgt
Der Gegensatz in 4. Mose 13 besteht nicht darin, ob es Gefahren gab oder nicht. Alle Kundschafter sahen die reichen Früchte und die starken Bewohner. Kaleb forderte angesichts dieser Tatsachen dazu auf, hinaufzuziehen. Die anderen Kundschafter hingegen betrachteten sich selbst wie Heuschrecken und erklärten, sie könnten nicht hinaufziehen.
Als der HERR die Erkundung anordnete, bezeichnete er Kanaan als das Land, das er den Israeliten geben werde. Die Kundschafter brachten den sichtbaren Beweis dafür mit, dass dieses Land tatsächlich fruchtbar war. Doch obwohl alle dieselben Belege vor Augen hatten, wollte die eine Seite das Land einnehmen, während die andere dies für unmöglich erklärte. Im Mittelpunkt des Textes steht, dass dieselbe Situation zu völlig unterschiedlichen Berichten führte, weil die Kundschafter verschiedene Schlussfolgerungen aus ihr zogen.
Wenn Sie heute eine Sache praktisch umsetzen möchten, schreiben Sie bei einer Sorge in zwei getrennten Zeilen auf, was Sie selbst festgestellt haben und wie Sie es beurteilen. In 4. Mose 13 war die Stärke der Bewohner eine festgestellte Tatsache. Die Behauptung, dass jene die Israeliten ebenfalls für Heuschrecken gehalten hätten, war dagegen eine Schlussfolgerung der Kundschafter. Wenn Sie beides voneinander trennen, können Sie konkret erkennen, ob Ihre eigene Bewertung bereits größer geworden ist als die Tatsachen selbst.
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