Was tun, wenn man einen Fehler erst spät erkennt?
Anhand von Genesis 42 betrachten wir, wie Josefs Brüder ihr früheres Fehlverhalten erkennen, und überlegen, was wir heute tun können, um eigene Fehler nicht länger zu verdrängen.

Was sollen wir tun, wenn uns plötzlich ein Fehler aus der Vergangenheit wieder in den Sinn kommt? Genesis 42 berichtet, wie Josefs Brüder in einer schwierigen Lage erkennen und eingestehen, dass sie sich vor langer Zeit an ihrem jüngeren Bruder schuldig gemacht haben. Wenn wir einen Fehler erkennen, sollten wir nicht nur anderen Menschen oder den Umständen die Schuld geben. Vielmehr gilt es, ehrlich und konkret zu betrachten, was wir selbst getan haben.
Nach Ägypten gehen, um Nahrung zu kaufen
Als im Land Kanaan eine Hungersnot ausbrach, forderte Jakob seine Söhne auf, nach Ägypten zu gehen und Getreide zu kaufen. Zehn von Josefs Brüdern zogen nach Ägypten, um ihre hungernde Familie zu versorgen. Benjamin ließ Jakob jedoch aus Angst vor einem Unglück nicht mitgehen.
Der Mann, der damals in Ägypten für den Getreideverkauf verantwortlich war, war Josef, der inzwischen zum Statthalter aufgestiegen war. Seine Brüder warfen sich vor ihm nieder, erkannten ihn aber nicht. Josef hingegen erkannte sie sofort, gab sich jedoch nicht zu erkennen. Er beschuldigte sie, Spione zu sein, und stellte ihre Aussagen auf die Probe.
Die Brüder erklärten, sie seien die Söhne desselben Vaters und keine Spione. Außerdem berichteten sie, dass von zwölf Brüdern einer nicht mehr da sei und der jüngste bei ihrem Vater geblieben sei. Um zu prüfen, ob sie die Wahrheit sagten, verlangte Josef, dass sie ihren jüngsten Bruder zu ihm brachten.
In der Not an vergangenes Unrecht denken
Zunächst ließ Josef alle Brüder drei Tage lang gefangen halten. Nach drei Tagen ordnete er an, dass nur einer von ihnen im Gefängnis bleiben sollte. Die anderen durften mit Getreide zurückkehren, um ihre hungernden Familien zu versorgen. Allerdings mussten sie ihren jüngsten Bruder mitbringen. Nur dann würden ihre Aussagen als wahr gelten und sie müssten nicht sterben.
Als die Brüder dies hörten, brachten sie ihre gegenwärtige Not mit dem in Verbindung, was sie ihrem jüngeren Bruder angetan hatten. Sie erinnerten sich daran, wie sie seine Verzweiflung und seine flehentlichen Bitten gesehen, aber nicht auf ihn gehört hatten. Schließlich gestanden sie ein, dass sie sich an ihrem Bruder schuldig gemacht hatten.
Auch Ruben erinnerte sie daran, dass er sie damals davor gewarnt hatte, sich an ihrem Bruder zu versündigen, sie aber nicht auf ihn gehört hatten. Die Brüder wussten nicht, dass Josef ihre Worte auch ohne Dolmetscher verstand. Als Josef sie hörte, ging er von ihnen weg und weinte.
Angst allein löst das Problem nicht
Josef ließ Simeon fesseln und zurückhalten. Die Säcke der übrigen Brüder ließ er mit Getreide füllen und zugleich jedem sein Geld wieder hineinlegen. Unterwegs entdeckten die Brüder das Geld in ihren Säcken und erschraken. Als sie zu Hause ankamen und sich in allen Säcken Geldbündel fanden, bekamen sowohl die Brüder als auch Jakob erneut Angst.
Doch ihre Angst bedeutete noch nicht, dass das Problem gelöst war. Simeon befand sich weiterhin in Ägypten, und Josef bestand darauf, dass sie Benjamin mitbrachten. Jakob glaubte, Josef und Simeon bereits verloren zu haben, und fürchtete nun, auch Benjamin zu verlieren. Deshalb erklärte er schließlich, dass er Benjamin nicht gehen lassen werde.
Dieses Kapitel zeigt noch nicht, wie das Problem gelöst wird. Stattdessen lässt es uns mit Brüdern zurück, die ihr früheres Unrecht eingestanden haben, mit Jakob, der den Verlust eines weiteren Sohnes fürchtet, und mit der weiterhin bestehenden Forderung, Benjamin nach Ägypten zu bringen.
Heute einen konkreten Fehler aufschreiben
Bleiben Sie heute nicht bei dem vagen Gedanken stehen: „Ich hätte es besser machen sollen.“ Schreiben Sie stattdessen eine konkrete Situation auf, in der Sie die Not eines Menschen gesehen, aber nicht auf ihn gehört haben. Fügen Sie weder Rechtfertigungen noch die Fehler der anderen Person hinzu. Ein einziger Satz darüber, was Sie selbst getan haben, genügt.
Sie können Genesis 42 noch einmal lesen und selbst darauf achten, was die Brüder eingestanden haben. Lesen Sie den Text unter Bibel lesen langsam durch. Wenn es einen Fehler gibt, den Sie bisher verdrängt haben, beginnen Sie damit, ihn ehrlich und genau anzuerkennen.
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