Deuteronomium 16 gebietet Erinnerung, Freude und Gerechtigkeit
Anhand der drei Feste und der Anordnungen für die Rechtsprechung in Deuteronomium 16 betrachten wir, wie die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten in gemeinsamer Freude und unparteiischen Urteilen sichtbar wird.
Deuteronomium 16 gebietet Israel, sich an den Tag des Auszugs aus Ägypten zu erinnern, den empfangenen Segen mit anderen zu genießen und das Recht nicht zu beugen. Diese drei Gedanken begegnen in den Anordnungen über das Passafest, das Wochenfest und das Laubhüttenfest sowie über die Rechtsprechung in den Versen 1 bis 20. Israel sollte sich nicht nur während der Feste an die frühere Rettung erinnern, sondern sich auch gemeinsam über den gegenwärtigen Ertrag freuen und in jeder Stadt allein der Gerechtigkeit folgen.
Das Passafest ließ Israel sein Leben lang an den Tag des Auszugs denken
Israel sollte im Monat Abib das Passafest feiern, denn in diesem Monat hatte der HERR das Volk bei Nacht aus Ägypten geführt. Das Opfer durfte nicht in irgendeiner Stadt dargebracht werden. Es musste an dem Ort geschehen, den der HERR erwählen würde, um dort seinen Namen wohnen zu lassen – am Abend bei Sonnenuntergang, zu jener Zeit, als Israel aus Ägypten auszog.
Auch die Art und die Dauer des Essens waren festgelegt. Das Volk durfte kein gesäuertes Brot essen, sondern musste sieben Tage lang ungesäuertes Brot zu sich nehmen. Der Text nennt es das „Brot des Elends“ und begründet dies damit, dass Israel Ägypten in großer Eile verlassen hatte. Im ganzen Gebiet durfte kein Sauerteig zu sehen sein, und vom Fleisch, das am ersten Tag geopfert wurde, durfte bis zum Morgen nichts übrig bleiben.
All diese Anordnungen zum Passafest weisen auf ein einziges Ereignis hin: Das Volk sollte sein Leben lang an den Tag denken, an dem es aus Ägypten auszog. Der Exodus war keine ferne Vergangenheit, an die man sich nur gelegentlich erinnerte. Israel vergegenwärtigte ihn immer wieder, indem es den festgelegten Monat, den bestimmten Ort und die vorgeschriebene Zeit einhielt und sieben Tage lang ungesäuertes Brot aß. Am siebten Tag sollte sich das Volk zu einer Festversammlung vor dem HERRN versammeln und keine Arbeit verrichten.
An der Freude des Wochenfestes hatten viele Menschen Anteil
Vom ersten Tag der Getreideernte an sollte Israel sieben Wochen zählen und danach das Wochenfest feiern. Die Höhe der Gabe war nicht für alle gleich festgelegt. Jeder sollte entsprechend dem Segen, den der HERR ihm gegeben hatte, aus freien Stücken darbringen, was seinen Möglichkeiten entsprach.
Auch die Freude des Festes war nicht auf eine einzelne Person oder Familie beschränkt. Söhne und Töchter, Knechte und Mägde, die Leviten in den Städten sowie Fremde, Waisen und Witwen sollten sich gemeinsam vor dem HERRN freuen. Unmittelbar danach folgt erneut das Gebot, daran zu denken, dass Israel einst Sklave in Ägypten gewesen war. Die Erinnerung an die eigene Knechtschaft und die Beteiligung vieler Menschen an der Festfreude gehörten zu derselben Ordnung.
Das Laubhüttenfest ließ alle gemeinsam über die Ernte froh werden
Das Laubhüttenfest wurde sieben Tage lang gefeiert, nachdem der Ertrag von Tenne und Kelter eingebracht worden war. Auch hier sollten sich Söhne und Töchter, Knechte und Mägde, Leviten, Fremde, Waisen und Witwen gemeinsam freuen. Der Text gebietet vollkommene Freude darüber, dass der HERR allen Ertrag und alles Tun der Hände segnen würde.
Dreimal im Jahr sollten alle Männer Israels an dem von Gott erwählten Ort erscheinen. Niemand durfte mit leeren Händen kommen, doch die Gabe sollte dem Segen entsprechen, den der HERR jedem gegeben hatte. Beim Wochenfest und beim Laubhüttenfest kehren dieselben Gedanken wieder: der empfangene Ertrag, eine Gabe nach den eigenen Möglichkeiten und die gemeinsame Teilnahme vieler Menschen. Die Festfreude war keine Gelegenheit, den eigenen Segen für sich allein zu betrachten, sondern eine Zeit, in der die ganze Gemeinschaft daran Anteil hatte.
In jeder Stadt sollte allein die Gerechtigkeit maßgeblich sein
Auf die Festordnungen folgt das Gebot, in jeder Stadt Richter und Amtleute einzusetzen. Sie sollten dem Volk zu seinem Recht verhelfen. Sie durften das Recht nicht beugen, niemanden bevorzugen und keine Bestechung annehmen. Denn Bestechung macht die Augen der Weisen blind und verdreht die Worte der Gerechten.
Mit dem Gebot „Der Gerechtigkeit und nur der Gerechtigkeit sollst du nachjagen“ grenzt der Text den zulässigen Maßstab unmissverständlich ein. Während der Feste sollte Israel an den Tag des Auszugs aus Ägypten und an seine frühere Knechtschaft denken. Nach der Ernte sollten auch Fremde, Waisen und Witwen an der Freude teilhaben. Bei den Entscheidungen des Alltags durften weder das Ansehen einer Person noch Bestechung das Recht beugen. Die Erinnerung blieb somit nicht auf festgelegte Riten beschränkt. Sie schloss sowohl das gemeinsame Genießen des empfangenen Segens als auch eine Ordnung ein, in der Menschen gerecht beurteilt wurden.
Als konkrete Übung für heute können wir bei einem Urteil über einen anderen Menschen sowohl sein äußeres Ansehen als auch unseren eigenen Vorteil außer Acht lassen und für alle dieselben Tatsachen und Maßstäbe anwenden. Es lohnt sich auch, Deuteronomium 16 noch einmal unter Bibel lesen aufzuschlagen und dort selbst nach den Geboten „Gedenke“, „Freut euch gemeinsam“ und „Jage allein der Gerechtigkeit nach“ zu suchen.
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